Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Literaturfreunde,


bereits zum 9. Mal finden die Türkisch-Deutschen Literaturtage statt, die

der Verein „Junge Stimme e.V.“ stets mit beeindruckendem ehrenamtlichem

Engagement und Unterstützung der Stadt Nürnberg veranstaltet. Auch heuer

haben die Veranstalter ein anspruchsvolles und unterhaltsames Programm

zusammengestellt.


Miteinander, nicht übereinander sprechen – das ist die Voraussetzung für den

interkulturellen Austausch in Kunst, Kultur und im Alltag einer Stadtgesellschaft.

Viele Menschen schauen seit etlichen Monaten mit großer Besorgnis in die Türkei.

Das offizielle Verhältnis zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik

Türkei ist angespannt. Umso wichtiger sind Dialog und Austausch zwischen Bürgerinnen

und Bürgern beider Länder, unabhängig von der Staatsbürgerschaft des einen oder

anderen. Wie durch die Beschäftigung des „Einen“ mit der Kultur des „Anderen“ etwas

ganz Neues entstehen kann, beweisen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Theaterclubs

des Staatstheaters Nürnberg am Eröffnungsabend. Sie haben die bildreiche und

metaphorische Sprache des türkischen Lyrikers Nazım Hikmet in Tanz und Bewegung umgesetzt.


Auch das literarische Programm bietet dieses Jahr vielfältige Möglichkeiten, miteinander ins
Gespräch zu kommen. Mit Ahmet Ümit kommt ein Protagonist der kritischen Kriminalliteratur
nach Nürnberg. Barbaros Altuğ gilt als literarischer Vertreter der jungen Erwachsenen
und Jugendlichen in der Türkei, die versuchen, ein selbstbestimmtes Leben unter einer
zunehmend autoritären Regierung zu führen. Pınar Selek ist feministische Autorin und
Soziologin, sie lebt seit einigen Jahren im französischen Exil. Der Kölner Selim Özdoğan
begibt sich in seinen Romanen auf die literarische Suche nach deutsch-türkischer Heimat.
Gesprächsanlässe sind also vorhanden – lassen Sie sich darauf ein!


Mein Dank geht an alle Organisatorinnen und Organisatoren für ihren tatkräftigen Einsatz.
Freuen Sie sich auf ein facettenreiches Angebot und viele spannende Begegnungen.


Dr. Ulrich Maly
Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg

Freitag

Programm:

18.30 UHR: EINLASS | GIRIŞ
19.00 UHR: ERÖFFNUNG | AÇILIŞ
Moderation: Erman Erol


Jürgen Markwirth, Amt für Kultur und Freizeit
Eylem Gün, Junge Stimme e.V.


Theaterclub des Staatstheaters Nürnberg
Gedichte von Nazım Hikmet | Nazım Hikmet’in şiirleri
Eine Performance des Theaterclubs des Staatstheaters Nürnberg
in Zusammenarbeit mit Junge Stimme e.V. Die bildreiche und
metaphorische Sprache des türkischen Lyrikers Nazım Hikmet
werden in Tanz und Bewegung umgesetzt.

20.00 UHR: AHMET ÜMİT
Übersetzung und Moderation | Almancaya çeviri: Sabine Adatepe
Die Gärten von Istanbul | İstanbul Hatırası
Istanbul, ein magischer Ort, wo Geschichte geschrieben wurde
und sich noch heute unzählige Geschichten ineinander verweben.
Kaum einer kennt ihn so gut wie Nevzat, Oberinspektor des Morddezernats.
Sieben Leichen an sieben historischen Stätten – und
nur ein einziger Faden scheint die Fälle miteinander zu verbinden:
die jahrtausendealte Geschichte einer der geheimnisvollsten und
faszinierendsten Städte der Welt ...
Ahmet Ümit zog sich nach fast zwei Jahrzehnten in der kommunistischen
Bewegung aus der aktiven Politik zurück und konzentrierte
sich aufs Schreiben. Er gilt als einer der Wegbereiter des
Kriminalromans in der Türkei und ist einer der meistgelesenen
Autoren in der Türkei. Einige seiner Bücher wurden erfolgreich
verfilmt.

IM ANSCHLUSS| ARDINDAN: COCKTAIL | KOKTEYL

 

Samstag
AB 14.00 UHR Buchverkauf
17.30 UHR: BARBAROS ALTUĞ
Übersetzung und Moderation


Es geht uns hier gut
Winter 2013/14. Eren, Ali und Yasemin sind in Berlin gestrandet,
die Euphorie der Istanbuler Gezi-Proteste ist verflogen, die Wunden
noch nicht verheilt. Umso größer sind die Erwartungen an ein
neues Leben nach eigenen Vorstellungen. Das Leben geht weiter,
oder doch nicht? Wie schmerzhafte Erinnerungen verarbeiten und
neue Wege finden?
Der Journalist und Essayist Barbaros Altuğ gründete 1999 eine
Literaturagentur. 2014 erschien sein erster Roman „Biz Burada
İyiyiz“. Nach dem Putschversuch 2016 verließ er die Türkei und
lebt seitdem in verschiedenen europäischen Städten.

20.00 UHR: SELİM ÖZDOĞAN
Deutsch | Almanca
Wo noch Licht brennt
Ein zutiefst menschlicher Roman über das Leben einer Frau
zwischen Deutschland und der Türkei.
Es gibt drei Möglichkeiten, dem Leben zu begegnen: Dulden,
kämpfen, fliehen. Nach acht Jahren in der Türkei verlässt Gül zum
zweiten Mal ihre anatolische Heimat in Richtung Deutschland.
Nach den Romanerfolgen „Die Tochter des Schmieds“ und
„Heimstraße 52“ erzählt Selim Özdoğan die Geschichte seiner
Protagonistin Gül weiter, mit der er bereits einen großen Leserkreis
in Bann gezogen hat. Eine einfache Frau, nicht überdurchschnittlich
gebildet, aber mit einem guten und weisen Herzen,
voller Lebenserfahrung.
Der Kölner Selim Özdoğan, geboren 1971, verfasst Romane und
Kurzgeschichten. Mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Adelbertvon-
Chamisso-Preis (1999).

 

Sonntag
11.00 UHR: FRÜHSTÜCK | KAHVALTI
Kostenbeitrag | Ücret: 5,00 €
Kinder bis 12 Jahre | 12 yaşına kadar çocuklar için 2,00 €


14.00 UHR: PINAR SELEK
Übersetzung und Moderation | Almancaya çeviri: Bediye Eskin & Yücel Özdemir
Mit freundlicher Unterstützung von ZONTA
Halbierte Hoffnungen
Istanbul, 1980: Nach dem Militärputsch kämpfen die jungen
Istanbuler Hasan, Sema, Salih und Elif gegen die bedrückende
Perspektivlosigkeit und die schmerzlichen Verluste dieser
Jahre. Pınar Selek erzählt von Idealen, von Menschen, die zueinander
finden und von der Fähigkeit, zu verzeihen. Sie greift
ungeliebte Themen auf: Militär, Sexualität und Kurdenpolitik.
1998 geriet sie unter Terrorverdacht und kämpft seit dieser Zeit
gegen die Vorwürfe, obwohl sie bereits vier Mal freigesprochen
wurde. Derzeit lebt sie in Frankreich.

15.00 UHR: LEBEN IM EXIL | SÜRGÜNDE YAŞAM
Podiumsdiskussion | Panel: Pınar Selek & Şehbal Şenyurt Arınlı
Die Autorin und Regisseurin Şehbal Şenyurt Arınlı lebt seit September im Rahmen des
P.E.N.- Programms „writers in exile“ in Nürnberg.
Yönetmen ve yazar Şehbal Şenyurt Arınlı, Uluslararası PEN Kulübü “Writers in Exile”
programının konuğu olarak eylülden beri Nürnberg’te yaşıyor.


17.00 UHR: LEONHARD F. SEIDL
Deutsch | Almanca
Fronten
1988 erschoss ein Mann aus Jugoslawien auf einer Polizeiwache
drei Polizisten, was eine Welle fremdenfeindlicher
Aktionen auslöste. Seidl überträgt den Fall ins Jahr 2016 und
erzählt anhand von drei Figuren, der kurdischen Ärztin Roja,
dem bosnischen Flüchtling Ayyub und dem bei Reichsbürger-
Großeltern aufgewachsenen Halbwaisen Markus Keilhofer von
gesellschaftlichen Verwerfungen der Gegenwart. Ein hochaktueller
Kriminalroman über Rassismus und Fanatismus und
über den Mut, sich dem entgegenzustellen.
Nach seinem Studium der Sozialen Arbeit ist Leonhard F. Seidl
Autor und Dozent für kreatives Schreiben.