Zwölf Fragen zum Ausbildungsstart 

 

Muss ich als Azubi Überstunden machen? Kann ich meinen Ausbildungsplatz auch wechseln? Wie sollte mein Ausbildungsvertrag aussehen?

Dr. Azubi, der kostenlose Online-Beratungsservice der DGB-Jugend, gibt Antworten – auch zum Start des Ausbildungsjahres. „Gleich von Anfang an seine Rechte und Pflichten zu kennen - dabei wollen wir Jugendliche unterstützen“, sagt René Rudolf, DGB-Bundesjugendsekretär.

Das Angebot der DGB-Jugend richtet sich sowohl an Jugendliche, die keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, als auch an jene, die mit qualitativen Mängeln in ihrer Ausbildung konfrontiert sind. „Ratsuchende können sich anonym und barrierefrei an Dr. Azubi wenden und erhalten innerhalb von 24 Stunden eine kompetente Antwort“, so Rudolf.

Als Orientierung hat Dr. Azubi die zwölf häufigsten Fragen in einem Katalog zusammengefasst und beantwortet. Darüber hinaus sind individuelle Fragen willkommen. Von diesem Angebot haben im vergangenen Jahr mehr als 5.000 Jugendliche Gebrauch gemacht.

Was gilt es beim Abschluss des Ausbildungsvertrages zu beachten?
Der Ausbildungsvertrag muss noch vor Beginn der Ausbildung schriftlich geschlossen werden (§10, 11 Berufsbildungsgesetz). Er wird von Azubi und Ausbilder/in unterschrieben und muss, falls keine Volljährigkeit vorhanden ist, zusätzlich von den gesetzlichen Vertretern - in der Regel den Eltern - unterschrieben werden. Betrieb und Azubi bekommen je ein Exemplar. Der Ausbildungsvertrag muss folgende Punkte enthalten:

  • sachliche und zeitliche Gliederung, sowie Ziel der Berufsausbildung
  • Berufstätigkeit, für die ausgebildet werden soll
  • Beginn und Dauer der Berufsausbildung
  • Ausbildungsort und Ausbildungsmaßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte
  • Dauer der regelmäßigen täglichen Arbeitszeit
  • Dauer der Probezeit
  • Zahlung und Höhe der Ausbildungsvergütung
  • Dauer des Urlaubs
  • Voraussetzungen, unter denen der Berufsausbildungsvertrag gekündigt werden kann sowie ein allgemeiner Hinweis auf die Tarifverträge, Betriebs- oder Dienstvereinbarungen, die Anwendung finden.


Dr. Azubi rät: Vertrag vor der Unterzeichnung gut durchlesen und bei Unklarheiten sofort nachfragen. Es lohnt sich, den Vertrag von der Gewerkschaft prüfen zu lassen.

Was bedeutet die Probezeit?
Die Probezeit dauert ein bis maximal vier Monate und dient zum gegenseitigen Kennenlernen. Während dieser Zeit können sowohl Azubi als auch Betrieb von heute auf morgen und ohne Begründung das Ausbildungsverhältnis kündigen. Die Kündigung muss aber trotzdem schriftlich erfolgen.

Können Azubis den Ausbildungsplatz wechseln?
Azubis können laut § 22 Berufsbildungsgesetz kündigen oder einen Aufhebungsvertrag mit dem Betrieb vereinbaren und ihre Ausbildung in einem anderen Betrieb fortsetzen. Wenn der Betrieb mit ihrem Weggang nicht einverstanden ist, brauchen Azubis aber einen gravierenden Grund für eine fristlose Kündigung.

Dr. Azubi rät: Azubis sollten erst kündigen, wenn sie einen neuen Betrieb gefunden haben, der sie übernimmt!

Was kann man bei Mobbing tun?
Azubis, die gemobbt werden, sollten über die Vorkommnisse mit Menschen ihres Vertrauens sprechen und die Erfahrungen nicht einfach runterschlucken. Unbedingt sollten sie ein Tagebuch führen und alle Vorfälle genau dokumentieren. Wenn möglich, sollten sie sich dann im Betrieb Hilfe holen und zum Beispiel den Betriebrat einschalten. Mit entsprechender Unterstützung kann man dann den oder die Täter mit ihrem Verhalten konfrontieren. Empfehlenswert ist es, zu dem Gespräch eine Person des Vertrauens oder ein Betriebsratsmitglied mitzunehmen und auch dieses Gespräch zu protokollieren, um je nach Verlauf des Gespräches für weitere Schritte schriftliche Nachweise zu haben.

Schlechte Ausbildungsqualität?
Der/die Ausbilder/in hat die Pflicht die/den Azubi entsprechend des Ausbildungsrahmenplans und des betrieblichen Ausbildungsplans aktiv auszubilden. Ausbildungsfremde Tätigkeiten wie Putzen oder endlose Routinetätigkeiten haben in der Ausbildung nichts zu suchen und stellen nach § 102 Berufsbildungsgesetz eine Ordnungswidrigkeit dar. Dr. Azubi rät: Wer nicht richtig ausgebildet wird, sollte sich unbedingt wehren, da sonst das Ausbildungsziel nicht erreicht werden kann.

Müssen Azubis Überstunden machen?
Überstunden sind in der Ausbildung eigentlich nicht vorgesehen, da die/der Azubi im Betrieb ist, um ihren/seinen Beruf zu lernen - und dazu reicht die vertraglich festgelegte Ausbildungszeit aus. Wenn Überstunden geleistet werden, müssen die Regelungen des Jugendarbeitsschutzgesetzes und des Arbeitszeitgesetzes eingehalten werden. Alle Überstunden müssen der/dem Azubi laut § 17 Berufsbildungsgesetz mit entsprechendem Überstundenzuschlag bezahlt oder in Freizeit ausgeglichen werden.

Wann dürfen Azubis in Urlaub gehen?
Wie viel Urlaub Azubis pro Jahr zusteht, kann man im Ausbildungsvertrag nachlesen. Azubis dürfen ihren Jahresurlaub im laufenden Kalenderjahr nehmen, mindestens zwei Wochen des Urlaubs müssen am Stück gewährt werden. Dr. Azubi rät: Die/der Azubi sollte frühzeitig einen schriftlichen Urlaubsantrag stellen, der/die Ausbilder/in muss dann innerhalb eines Monats darauf reagieren.

Wie viel Ausbildungsvergütung steht Azubis zu?
Die Ausbildungsvergütung ist für viele Azubis in Tarifverträgen festgelegt. Aber auch wenn kein Tarifvertrag Anwendung findet, muss die Vergütung laut § 17 Berufsbildungsgesetz angemessen sein. Azubis in einer normalen dualen Ausbildung haben deshalb auf jeden Fall Anspruch auf mindestens 80 Prozent – Azubis in einer überbetrieblichen Ausbildung auf 55 Prozent – der üblichen tariflichen Vergütung.

Wie reagiert man bei einer Abmahnung?
Mit einer Abmahnung gibt der/die Ausbilder/in der/dem Azubi zu verstehen, dass er mit deren Leistung oder Verhalten nicht zufrieden ist. Eine Faustregel besagt, dass der Kündigung eines Azubis mindestens zwei Abmahnungen vorausgehen müssen. Dr. Azubi rät: Den Inhalt der Abmahnungen genau prüfen und bei einer unberechtigten Abmahnung eine Gegendarstellung verfassen. Außerdem den Betriebsrat oder die Gewerkschaft einschalten.

Kann man sich gegen eine Kündigung wehren?
Der/die Ausbilder/in kann die/den Azubi gemäß § 22 Berufsbildungsgesetz nur dann fristlos kündigen, wenn sich die/der Azubi einiges zu Schulden kommen lässt, zum Beispiel viele unentschuldigte Fehltage. Die/der Azubi kann innerhalb von drei Wochen Widerspruch gegen die Kündigung einlegen und eine Schlichtungsverhandlung bei der zuständigen Stelle (zum Beispiel Industrie und Handels- oder Handwerkskammer) beantragen. Dr. Azubi rät: Vorsicht! Falls der/die Ausbilder/in der/dem Azubi einen Aufhebungsvertrag vorlegt, sollte die/der Azubi sich unbedingt beraten lassen, bevor sie/er unterschreibt!

Können Azubis die Ausbildung verkürzen?
Bei Zustimmung des Ausbilders oder der Ausbilderin können Azubis mit mittlerem oder höherem Schulabschluss die Ausbildung verkürzen. Außerdem können frühere Ausbildungszeiten angerechnet werden, bei einem Ausbildungsplatzwechsel wird in der Regel die bereits zurückgelegte Ausbildungszeit angerechnet. Dr. Azubis Tipp: Bei guten Leistungen können Azubis nach der Hälfte der Ausbildungszeit einen Antrag auf vorzeitige Zulassung zur Abschlussprüfung stellen.

Welche finanziellen Hilfen gibt es?
Auszubildende können bei der Arbeitsagentur Berufsausbildungsbeihilfe beantragen, wenn das Geld nicht reicht. Eltern von Azubis unter 25 Jahren erhalten außerdem weiterhin Kindergeld, solange ihr Kind eine Ausbildung absolviert. Wenn die/der Azubi nicht mehr zu Hause wohnt und den Eltern keine Kosten durch ihn entstehen, müssen die Eltern der/dem Azubi das Kindergeld auszahlen.